Neues Luftfrachtzentrum am Flughafen?
Zusätzliches Luftfrachtzentrum am Hamburger Flughafen?
Senat drückt sich um klare Aussage
Seit langem zeichnet sich ab, dass die vorhandenen Luftfrachtgebäude auf dem Gelände des Flughafens dem langfristig wachsenden Bedarf nicht gerecht werden. Doch anstatt vorhandene, freie Luftfrachtkapazitäten in Norderstedt zu nutzen, will die Flughafengesellschaft jetzt ein eigenes, neues Cargo-Zentrum am südlichen Flughafenrand errichten. Glaubt man ihren Verantwortlichen, steht der Standort auch schon seit mehreren Wochen fest: die 55.000 Quadratmeter große Fläche des Holiday-Parkplatzes P8 am Weg beim Jäger, auf der derzeit noch 2.500 Autos von Fluggästen Platz finden. Gemeinsam mit den Luftfrachtkunden sei mit den konkreten Planungen für die Umsetzung des Vorhabens begonnen worden, wirbt der Flughafen auf seiner Website.
Vom Senat als Miteigentümer des Flughafens war hierzu kein klares Statement zu bekommen. In der Antwort auf meine inzwischen dritte Kleine Anfrage zum Thema beruft sich der Senat auf ein Verschwiegenheitsgebot der städtischen Vertreter aus Wirtschafts- und Finanzbehörde, die als Aufsichtsratsmitglieder in den Gremien der Flughafengesellschaft sitzen. Das Engagement des Senats kann man nur als mangelhaft bezeichnen. Ein neues Luftfrachtzentrum mitten in der Stadt hätte ein stark erhöhtes Aufkommen von Schwerlastverkehr im Flughafenumfeld zur Folge. Es wäre jetzt die Aufgabe des Senats, sich im Sinne der Anwohner einzusetzen, die bereits durch Fluglärm belastet sind.
Nicht nur das Sich-Drücken des Senats vor einer konkreten Aussage gibt Anlass zu der Vermutung, dass der Bau des neuen Luftfrachtzentrums in Groß Borstel anstelle einer Nutzung von Kapazitäten auf anderen Seite der Landesgrenze, in Norderstedt, bereits beschlossene Sache ist. Der Flughafen bemüht sich derzeit - bislang erfolglos - neue Abstellflächen in Norderstedt zu
schaffen. Diese wären dringend erforderlich, wenn die 2.500 Parkplätze am Weg beim Jäger wegfielen.
Gemeinsam mit meinem schleswig-holsteinischen SPD-Landtagskollegen Andreas Beran plädiere ich statt für einen Neubau des Frachtzentrums in der Stadt für eine Zusammenarbeit von Hamburg, Schleswig-Holstein und der Stadt Norderstedt bei der Neuorganisation der Luftfracht. Gut 75% der Luftfracht werden nicht mit dem Flugzeug transportiert, sondern mit dem LKW über die Straße. Das World Cargo Center in Norderstedt, mit guter Anbindung an die A7 und den Flughafen, ist deshalb verkehrspolitisch die erheblich bessere Wahl für den Ausbau des Cargobereichs. Zudem sind in Norderstedt ausreichend Reserven vorhanden.
Ich denke, die Interessen der Menschen im Flughafenumfeld dürfen nicht einseitig den finanziellen Interessen des Flughafens geopfert werden. Zusätzlicher Verkehr in der Stadt belastet wieder einmal die Menschen. Das Ziel muss eine Verringerung des Schwerlastverkehrs und nicht eine Zunahme sein. Sind die Versprechen von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust und
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen über eine gemeinsame Metropolregionplanung wirklich so wenig wert?
Die Kleinen Anfragen und Antworten des Senats finden Sie im Themenarchiv (Teil 1 [16 KB]
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und Teil 3 [19 KB]
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